Ich hatte ein sehr ehrliches, offenes Gespräch mit Nova, Feminist Artist und im Bereich Sexual Empowerment aktiv. Sie arbeitet viel mit Vulva Art und schafft Räume, in denen Frauen beginnen, sich selbst jenseits von Scham und gesellschaftlichen Bildern zu begegnen.
Und während wir gesprochen haben, wurde mir wieder bewusst, wie wenig wir eigentlich über unseren eigenen Körper wissen.
Die meisten von uns sind nicht mit echter Aufklärung aufgewachsen. Stattdessen gab es Begriffe wie „da unten“ oder „Schambereich“. Kein klares Benennen, kein echtes Verständnis, kein Raum für neugieriges Erkunden. Und genau dort beginnt oft die Trennung von unserem eigenen Körper.
Was viele Frauen nicht wissen: Die Vulva ist der äußere Teil unseres weiblichen Geschlechts, die Vagina das Innere. Und doch wird das häufig vermischt oder gar nicht wirklich thematisiert. Dieses fehlende Wissen wirkt sich nicht nur auf unser Körpergefühl aus, sondern auch auf unsere Sexualität.
Ein großes Thema in unserem Gespräch war auch das Bild, das wir von Vulven haben. Viele Frauen vergleichen sich mit Darstellungen aus Pornografie, ohne zu wissen, dass diese Bilder oft bearbeitet und angepasst sind. Häufig werden die inneren Schamlippen verkleinert oder unsichtbar gemacht, sodass ein sehr einseitiges Ideal entsteht.
Dabei ist die Realität eine ganz andere: Vulven sind vielfältig. Unterschiedlich. Lebendig. Und genau so, wie sie sind, vollkommen richtig.
Ein besonders wichtiger Punkt ist die Frage nach Lust. Uns wurde beigebracht, dass Sexualität vor allem durch Penetration entsteht. Doch weibliche Lust liegt zu einem großen Teil in der Vulva. In den vielen Nervenenden, in der Sensibilität, in der Verbindung zu uns selbst.
Das bedeutet auch, dass wir beginnen dürfen, uns anders zu begegnen. Nicht nur dann, wenn Lust da ist, sondern als bewusste Praxis. Self-Pleasure wird oft auf einen Moment reduziert, dabei kann es ein Weg sein, um wieder Verbindung aufzubauen.
Es geht darum, sich Zeit zu nehmen. Sich selbst im Spiegel zu betrachten. Die eigene Vulva wirklich anzuschauen, zu berühren, zu spüren, ohne Druck, ohne Ziel. Einfach, um eine Beziehung zu sich selbst zu entwickeln.
Gleichzeitig spielt auch unser Zyklus eine wichtige Rolle. Unsere Energie verändert sich. Es gibt Phasen von mehr Aktivität, mehr Lust, mehr Offenheit – und andere, in denen wir mehr Rückzug, Ruhe und Innenorientierung brauchen.
Und genau hier liegt ein Schlüssel: Deinen eigenen Rhythmus kennenzulernen. Zu verstehen, wann du dich wie fühlst. Nicht nach Regeln zu funktionieren, sondern nach deinem eigenen Empfinden.
Auch wenn gerade keine Lust da ist, kann es kraftvoll sein, in Verbindung zu bleiben. Nicht aus Druck, sondern als Einladung, dich selbst wahrzunehmen und deine Lebendigkeit nicht zu verlieren.
Dieses Gespräch war eine Erinnerung daran, wie wichtig es ist, alte Schichten abzulegen. Die Scham, die Unsicherheit, die verzerrten Bilder. Und stattdessen einen neuen Zugang zu finden.
Einen Zugang, der ehrlich ist. Verkörpert. Und lebendig.
Denn deine Vulva ist kein Tabu.
Sie ist ein Teil deiner Lebenskraft.
Und vielleicht beginnt genau hier etwas Neues.

